Chorleiter C1-Ausbildung dezentralisieren
Forderung nach Dezentralisierung der Chorleiter C1-Ausbildung.
Zusammenfassende Begründung:
Wir brauchen mehr und jüngere Chorleiter. Das östliche Niedersachsen hat die Nähe zu Wolfenbüttel, Teilnehmer aus Westniedersachsen haben eine erheblich aufwendigere Situation. Wer die Aussage unterstützt: „Wer C1 machen will muss nach Wolfenbüttel fahren“ setzt sich (nur vermeintlich) für die Landesmusikakademie ein, missachtet aber den berechtigten Wunsch der Menschen, die eine wesentlich größere Belastung auf dem Weg zum C1-Abschluss tragen müssen. Wollen wir mehr und besser ausgebildete Chorleiter, wollen wir die Zukunft des Chorwesens dadurch mit sichern, dann muss flexibel und nicht starr gehandelt werden.
Tatsache ist: die Hemmschwellen von nachweisbar vielen Chorhelfern aus dem westlichen Niedersachsen zwecks C1-Ausbildung nach z.B. Barendorf oder zukünftig vielleicht nur nach Wolfenbüttel zu fahren, sind sachbegründet und vielfältig: Entfernung (einfach Strecke bis zu 300 km, da ist Nordrhein-Westfalen ja näher!), Zeitaufwand, Kosten, Abwesenheitszeit von der Familie, Imageschaden bei Nicht-Bestehen der Prüfung infolge der außermusikalischer Belastungen usw. Es besteht ein Mißverhältnis des Finanzaufwandes für Teilnehmer aus dem westlichen Niedersachsen - aus der Sicht der betroffenen Familien – für Reisen, Unterbringung und Fremdverpflegung (diese sind nicht ausbildungsrelevant, werden aber seitens der Veranstalter erwartet) gegenüber Wolfenbüttel nah wohnenden Teilnehmern und gegenüber den Kosten für die angestrebte musikalischen Ausbildung als solche. Die Extra-Reise- und Verpflegungskosten sind im Familienbudget ein Streit- wenn nicht gar ein KO-Kriterium. Auch würde die angedachte Verteuerung der Dozentenhonorare die Sachlage weiter verschärfen. Man rechne mal nach, wie viele Jahre ein ehrenamtlicher C1-Chorleiter benötigt, um diese Kosten wieder auszugleichen, wenn überhaupt. Idealismus und Ehrenamt dürfen nicht permanent zu Lasten der Familien ausgenutzt werden.
Die Lage der Landesmusikakademie bleibt unbeeinflusst. Die Leute aus dem westlichen Niedersachsen kommen (bei statistisch unwesentlichen Ausnahmen) nicht mehrfach von Freitag bis Sonntag nach Wolfenbüttel zu einer C1-Ausbildung, um dann geschlaucht nach Hause in den Alltag zu fahren. Die Landesmusikakademie wird ihre Maßnahmen schwerpunktmäßig mit Teilnehmern aus näher gelegenen Landesteilen bestreiten. Eine spürbare Besser-Auslastung der Landesmusikakademie mit erhofften Teilnehmern aus dem westlichen Niedersachsen wird bei C1-Lehrgängen kaum zu erreichen sein.
Nachteile hat der CVNB und die singende Gemeinschaft, denn die möglichen Interessenten aus dem westlichen Niedersachsen (alleine 2009 in Oldenburg definitiv 7 Personen) gehen für die C1-Ausbildung gänzlich verloren.
Somit auch für evtl. noch nachfolgende C2-Ausbildung, für Chorleitertage usw. Man weiß doch, dass auch Kreischorleiter fehlen, die doch zumindest C2 haben sollten. Ein restriktionsfreier Zugang zu C1-Lehrgängen des LMR Bremen - ohne Kosten für Übernachtungs- und Verpflegungszwang - wäre eine erste und sofort umsetzbare Maßnahme für einen gewissen Teilbereich des westlichen Niedersachsens rund um Bremen.
Die Dezentralisierung muss so gestaltet werden, dass die Teilnehmer nach Lehrgangsschluss täglich abends nach Hause fahren können und ihnen noch Zeit für Familienbelange oder das Lernen und Üben bleibt. Wird das nicht ermöglicht, ist die Akzeptanz und Bereitschaft eben so, wie wir sie heute vorfinden. Die im Grunde zu wenigen Lehrgänge fallen dann auch noch mangels Beteiligung aus. Das ist der vorgezeichnete Weg im Falle der ausschließlichen C1-Ausbildung an nur einer starren Stelle. Auch im westlichen Niedersachsen dürften Dozenten (z.B. Fachbereich Musik, Uni Oldenburg oder von privaten Anbietern), sowie Räumlichkeiten zu finden sein, die die Anforderungsstandards einhalten und gleiche Qualität zu moderaten Konditionen anbieten. Für die Abschlussprüfung vor dem Landesmusikrat wäre dann eine einmalige Reise nach Wolfenbüttel vertretbar.
Vergleichsweise darf auf berufliche Ausbildungs- und Qualifizierungsgänge verschiedenster Seminaranbieter hingewiesen werden, die die Teilnehmer ausbilden. Die Abschlussprüfung erfolgt dann z.B. vor der Industrie- und Handelskammer oder der Handwerkskammer oder eben dem Landesmusikrat, um die erforderlichen Qualitätsstandards zu wahren.
Es wird sowieso nicht all zu lange Jahre dauern, bis die jüngeren Interessenten die Ausbildung über ein nach Lerntempo individuell steuerbares Online-Schulungssystem fordern und bekommen und die Lernenden sich, in kleinen örtlichen Arbeitsgruppen übend, von Fall zu Fall heimatnah treffen und die Abschlussprüfung dann ohne Zeitdruck und all die Nachteile des starren „Nach-Wolfenbüttel-Fahren-Müssens“ vor dem Landesmusikrat ablegen. Und das mit verbesserter Qualität, zu geringeren Kosten, mit geringerem Aufwand.
Flexible Bedarfsanpassung vor Ort ist im Sinne des vorgenannten Ziels wichtiger und erfolgreicher als Auslastungsprozente und Übernachtungszahlen in starren Einrichtungen zu priorisieren.
Die Motivation bei der danach sowieso geringeren Zahl Teilnehmer an C2-Lehrgängen wird anders eingeschätzt. Wer C2 anstrebt, ist prinzipiell eher bereit, die Hemmschwellen von Wolfenbüttel auf sich zu nehmen.
Die heute Verantwortlichen in CVNB und LMR tragen die Verantwortung für die Ausbildung der Chorleiter von Morgen und daran werden sie gemessen. Darum der dringende Appell mit der Bitte um Einwirkung auf den LMR zwecks Dezentralisierung der C1-Ausbildung.
F.E. im August 2009