Oldenburgischer Sängerbund

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Argumente für das Singen

10 Argumente für das Singen

Überzeugungshilfen für die Öffentlichkeitsarbeit der Chöre

Wer singt, macht Musik mit dem einzigen Instrument, das jeder besitzt: mit der eigenen Stimme. Dies ist das Ur-Instrument. Und der Hang zum Singen kommt noch vor dem Sprechen. Mit dem Singen ist dem Menschen ein Medium gegeben, um seine Emotionen auszudrücken, seinen Geist und Körper wahrzunehmen. Daraus resultiert Selbsterfahrung, sogar heilende Kraft.Wer singt, macht aktiv Musik- das ist der Anfang, Kultur nicht nur zu konsumieren. Wer singt, gestaltet Kultur mit.Wer selbst gestaltet, entdeckt dabei, was sich „besser“ oder „schlechter“ anfühlt. Singen macht sensibel. Es hilft also, die eigene Erlebnis- und Ausdrucksfähigkeit auszubilden.Wer beim Singen im Chor Musik selbst gestaltet, ordnet sein eigenes Gefühl und seine eigenen Wünsche ein in die Äußerung der Gruppe. Man verfolgt ein gemeinsames Ziel – und so entwickelt sich soziales Verhalten, Teamfähigkeit.Wer im Chor singt, stellt sich selbst in einen gemeinsamen Kulturzusammenhang. Das erleichtert es, den eigenen Platz im globalen Konzert der Kulturen und Identitäten zu finden.Wer singend musiziert, stellt bei zunehmender Leistungsfähigkeit fest, dass Leistung zufrieden stimmt. Gutes Singen macht selbstbewusst wie guter Sport.Wer im Chor Leistung bringt, schult seinen Verstand – am auswendig gelernten schwierigen Text ebenso wie an den Feinheiten der Partituren.Wer im Chor gut singt, bereitet anderen (den Chormitgliedern, dem Chorleiter, dem Publikum) Freude – und der verdiente Beifall ist ein Lohn, den jeder gerne empfängt.Wer in einem aktiven Chor singt, trifft andere aktive Musiker, andere Chöre und Musiker auch aus anderen Ländern. Das schafft Freundschaften, überwindet Grenzen.Wer singt, zumal und besonders im Chor, hat das Zeug zum Vorbild. Bildung zur Musik tut Not. Vorbild und Beispiel überzeugen den Nachwuchs am leichtesten. Schließlich ist Chorgesang unser Metier.
Quelle: Deutscher Chorverband.

Was man zum Singen wissen sollte

Lange, bevor Kinder Worte verstehen oder gar selbst sprechen können, erkennen sie Melodien und ahmen die Melodie nach, die ihre Eltern (im Wortklang sprechen oder) ihnen vorsingen. Kinderlieder sind nachgewiesenermaßen, der Einstieg in die Sprachentwicklung. Sie helfen Kindern, durch den Klang eines Satzes die Sinn-Einheiten zu durchschauen.

Musiker, die vor ihrem 7. Lebensjahr mit dem aktiven Musizieren begonnen haben, verfügen über messbar stärkere Verbindung zwischen der rechten und der linken Hirnhälfte – und später funktioniert der Austausch besser. Ergebnis: verbesserte Analysefähigkeiten.

Eine bundesweit beachtete Studie aus Berlin (Prof. Bastian) hat gezeigt: Grundschulkinder, die aktiv musizieren, sind sensibler, seelisch stabiler, sozial engagierter, geistig beweglicher. Sie lernen sogar besser als Gleichaltrige ohne musikalische Alltagserfahrung. Das hat möglicherweise eine Ursache in dieser Erkenntnis der Wissenschaft: Selbstgemachte Musik aktiviert das sogenannte limbinische Selbstbelohnungssystem im Hirn: die Ausschüttung glücksspendender Hormone ist stärker als bei jeder Sportart. Eine neue Studie aus Frankfurt beweist auch: Aktives Singen führt zu messbaren Stärkungen des Immunsystems.

Psychologen haben nachgewiesen, wie selbst passiver Musikgenuss Depressionen günstig beeinflusst. Die positiven Reaktionen der einschlägigen Hirnsektionen sind gemessen worden. Heidelberger Neurologen haben gemessen und festgestellt: Bestimmte Hirnregionen sind bei professionellen Musikern bis zu 130 % größer als bei Nichtmusikern.

Musik wird in der Schmerztherapie eingesetzt.Die Zeitschrift „Geo“ hat belegt: Demenzkranke finden beim Singen in Bewegung zurück zu verschütteten Erinnerungen.

Zusammengefasst: Musik gehört zum Menschen von der Wiege bis zur Bahre. Und zwar Musik in möglichst aktiver Form. Singen aber, das Musizieren mit der eigenen Stimme, ist in der Entwicklung des Menschen die natürliche Eingangspforte zum Musizieren.

Deshalb ist jede Pädagogik, die das Singen ausblendet, mit dem Mangel der Unvollkommenheit behaftet. Deshalb gehört Singen in den Erziehungs- und Bildungskanon der jungen Familien, der Kindergärten, der Grundschulen. Deshalb besteht der Deutsche Chorverband darauf, dem Singen einen gebührenden Platz auch in der Ausgestaltung der unterschiedlichen Modelle von Ganztagsunterricht zuzuweisen.

Es empfiehlt sich, musikpädagogische Konzepte in Zusammenarbeit der am Ort vorhandenen Anbieter zu entwickeln. Also Kinder- und Jugendchöre mit den örtlichen Musikschulen, mit den Musikpädagogen des Regelschulsystems, mit Kirchenmusikern, eventuell mit nahem Musikhochschulen und deren Studenten.

Quelle: Deutscher Chorverband

Singen ist so gesund

Singen ist so gesund wie Meditation oder leichter Sport. Eine Frankfurter Untersuchung hat erstmals an Laiensängern nachgewiesen, dass der Körper beim Singen physiologische Reaktionen zeigt: Er produziert zusätzliche Immunstoffe.

Im Institut für Musikpädagogik der Frankfurter Johann-Wolfgang-von-Goethe-Universität standen die Telefone nicht still. Eine unscheinbare Meldung im Universitäts-Nachrichtendienst hatte die Anrufwelle ausgelöst – ein bislang unbekannter Medienansturm für den Musikpsychologen Dr. Gunter Kreutz, Privatdozent am Lehrstuhl des Professors Hans-Günther Bastian.

Was Kreutz samt einigen weiteren Kollegen so interessant für Medien von wissenschaftlichen Publikationen bis zur „Bunten“ hat werden lassen, ist eine Untersuchung an Laienchorsängerinnen und –sängern. Eine Untersuchung unter dem verheißungsvollen Titel „Ist Singen gesund?“, gefördert vom Deutschen Chorverband. Wissenschaftlich exakter klingt die Frage so: „Gibt es physiologisch nachweisbare Gesundheitseffekte durch regelmäßiges Singen in Chören?“

Das Ergebnis vorweg: Es gibt nachweisbare Effekte. Und das haben die Frankfurter Wissenschaftler weltweit zum erstenmal am Beispiel singender Laien nachgewiesen. Als Probanden wurden der Kinderchor Griesheim und die Frankfurter Singgemeinschaft gewonnen. Insgesamt 31 Sängerinnen und Sänger haben innerhalb einer Woche zum einen das Mozart-Requiem selbst gesungen, zum anderen das gleiche Werk als CD-Aufnahme passiv angehört und dabei Wattebäuschchen zur Speichelaufnahme in ihren Mündern fünf Minuten vor und fünf Minuten nach den beiden Proben geduldet. Zudem haben die beiden Probanden ihr emotionales Befinden in einem Fragebogen vermerkt.

Ähnliche Untersuchungen, teils mit und teils ohne physiologische Messungen, hatte es zuvor u.a. mit dem semiprofessionellen Universitätschor Oxford und mit professionellen Solosängern gegeben. In einem Punkt kommen alle diese Studien zum gleichen Ergebnis, wie Dr. Kreutz erläutert: „Aktives Singen fördert die Produktion des Stoffes Immunglobin A im Speichel. Das ist der Stoff der die oberen Atemwege vor Infektionen schützt.“ Für Kreutz ist damit nachvollziehbar, dass aktives Singen dem Immunsystem offenbar nützt. „Die Werte stiegen beim Singen signifikant an, beim Zuhören hingegen blieben sie in dieser Untersuchung unverändert.“ Die Untersuchung legt nahe, dass aktives Singen sowohl eher positive Gefühle weckt als auch eher die körperliche Immunabwehr aktiviert als das passive Hören von Musik.

Ergänzt man diese Erkenntnis um die bereits erforschten Bereiche, ergibt sich ein kompletteres Bild: Gesundheit wird von der Weltgesundheitsorganisation als „umfassendes geistiges, psychisches und soziales Wohlbefinden“ definiert. Man weiß aber schon, das aktives Singen dazu führt, dass sich Sängerinnen und Sänger „deutlich besser fühlen“. Man weiß schließlich, dass Musizieren in Gemeinschaft allgemein die Fähigkeiten als „soziales Wesen“ steigert. Alles zusammen bedeutet:

Singen ist gesund – mindestens ähnlich gesund wie Meditation, Laufen, leichter, aber regelmäßiger Sport“, resümiert Dr. Kreutz. „Eine Riesenschlagzeile“, befand der medienerfahrene Prof. Hans-Günther Bastian – und er nicht allein.

Zumal die physiologische Untersuchung an Frankfurter Laienchorsängern einen zweiten Befund ergeben hat: Cortisol, das sogenannte Stresshormon, wurde ebenfalls beim aktiven Singen und beim passiven Hören untersucht. Hier reagieren Laiensänger anders als Profis: Während bei den Laien die Freude am Singen offenkundig den „Druck“ zur Leistung überwog, weshalb beim Singen die Cortisolwerte nicht wesentlich angestiegen sind, ergab sich bei Profi-Solisten ein anderes Bild. Dort stieg der Stress auch während des Konzertes noch an. Profis reagierten dafür weniger gestresst, wenn sie zuhören mussten. Während an dieser Stelle die Laiensänger offenkundig unruhig wurden – „vielleicht, weil sie einfach lieber selbst singen“, vermutet Dr. Kreutz in Frankfurt.

Während die Medien ihn bestürmen, blickt der Wissenschaftler allerdings eher kühl und gelassen auf sein Werk: „Eigentlich muss das der Anfang für weitere Untersuchungen werden.“ Kreutz denkt darüber nach, ob zusätzliche Studien notwendig sind, um die physiologisch günstige Wirkung des Singens auf das Befinden bestimmter Gruppen nachzuweisen. „Ich könnte mir konkrete Auswirkungen auf die Behandlung verhaltensauffälliger und lernschwacher Kinder ebenso vorstellen wie auf die Behandlung zum Beispiel von Menschen, die an Demenz leiden und im Gesang wohlvertraute Klänge wiederentdecken.“ Kreutz ist sicher: „Wir stehen erst am Anfang. Aber das Singen hat schon jetzt gewonnen.“

Peter Lamprecht.
Der Autor war lange Jahre Redakteur der Chorverbandsschrift „Lied und Chor“.

Singen im Alter

Quelle: Neue Chorzeit, Oktober 2008, Seite 19

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